Bezirksapostel Storck besuchte am 20. März 2024 letztmalig in seiner Amtszeit den Kirchenbezirk Bad Hersfeld-Lauterbach. In der Kirche in Grünberg versammelten sich auch die Gläubigen der Gemeinden Nidda und Mücke und feierten dort den Gottesdienst, der in weitere elf Gemeinden des Kirchenbezirks übertragen wurde. Im Rahmen des Gottesdienstes wurde Diakon Berthold Philippi nach 43 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit zur Ruhe gesetzt, Lars Brettschneider zum Diakon und Daniel Hoffmann zum Priester ordiniert sowie Priester Daniel Kopp aus Lauterbach als stellvertretender Bezirksleiter für den Kirchenbezirk beauftragt.
Der Bezirksapostel dankte für den Willkommensgruß aus der Gemeinde, in der ausgedrückt wurde, welche Wünsche und Erwartungen alles an den Gottesdienst geknüpft wurden. „Ich und meine ordinierten Schwestern und Brüder können diese Erwartungen nicht erfüllen, das kann nur der Heilige Geist“, stellte er klar. Sein Ratschlag: Ein jeder möge reflektieren, um was er Gott bittet. „Lasst uns auch immer auch das Heil der Seele in den Mittelpunkt stellen, nicht nur weltliche Dinge.“
Am Beispiel der Heilung des Gichtbrüchigen durch Jesus in der Synagoge in Kapernaum zeigte der Bezirksapostel auf, dass dort die Erwartung der Menschen zunächst enttäuscht wurden. Doch am Ende zeigte Jesus Christus seine Macht, indem er den Kranken dann auch heilte. „Heute ist es die originäre Aufgabe des Apostolats die Gläubigen auf seine Wiederkunft vorzubereiten und für das Seelenheil zu sorgen“, so der Bezirksapostel.
Aufgabe der Gläubigen sei es, sich bewusst zu machen, dass es um die ewige Gemeinschaft mit Gott geht. Man dürfe also auch um Heilung bitten, so wie es die Menschen damals von Christus erwarteten. „Aber es macht Sinn, immer mal wieder unsere Erwartungen an einen Gottesdienst und an Gott selbst in Relation zu stellen mit unserem Glaubensziel.“
Gottes ewige Güte
Der Bezirksapostel ging anschließend auf das vorgelesene Bibelwort aus Psalm 145,8 ein:
„Gnädig und barmherzig ist der Herr, geduldig und von großer Güte“.
Er erläuterte, wie Gott sich in seiner Gnade und Barmherzigkeit immer wieder dem Volk Israel zuwandte, auch wenn es die Wege Gottes nicht verstand, sich abwandte und murrte. Bis heute schenke er den Menschen Gnade – durch die Gemeinschaft mit ihm, das Evangelium Jesu Christi und in den Sakramenten der Kirche.
Seit dem Sündenfall im Paradies, bei dem der „Vater der Lüge“, der Teufel, die Menschen belog und sich in Folge der Sünde eine Trennung von ergab, hat sich Gott in seiner Gnade immer wieder den Menschen zugewandt. „Auch in unserer Zeit haben wir immer wieder Gemeinschaft mit ihm, haben sein Evangelium und die Sakramente der Kirche – ein Ausdruck der Güte Gottes“, erläuterte der Bezirksapostel.
Predigtbeiträge
Die Barmherzigkeit sei das „Göttlichste an Gott“, so Bezirksältester Reiner Imhof in seinem Predigtbeitrag. Er verdeutlichte mit dem Gleichnis vom „Verlorenen Sohn“ (Vgl. Lk 115, 11-32) die Güte Gottes, der, wie damals der Vater jenes Sohnes nie aufgegebenen hätte, ihn zu lieben und ihn jeden Tag zurückerwartete.
Selbst, wenn Menschen eine Zeit lang von Gott fernbleiben würden, nähme er sie immer wieder in Gnaden an. Es könne durchaus sein – wie bei der Wüstenwanderung des Volkes Israel– dass man wieder an einer Stelle ankäme, wo man schon einmal war in der Seelenentwicklung. Gott schaffe aber die Voraussetzungen und gäbe uns die Möglichkeit, immer wieder neu anzufangen.
Apostel Gerd Kisselbach stellte in der Vorbereitung zum Heiligen Abendmahl das Gleichnis vom Schalksknecht (Vgl. Matthäus 18,23–35) in den Mittelpunkt. Die Kernaussage lautete, immer in Vergebungsbereitschaft zu bleiben, da einem selbst ja auch immer wieder vom Herrn vergeben wird. Der unbarmherzige Knecht in dem Gleichnis hatte leider nichts aus dem Geschehen gelernt. „Wir wollen stattdessen unserem Nächsten mit Güte, Freundlichkeit, Vergebung und Barmherzigkeit begegnen“, so der Aufruf des Apostels.
Auf die Aussage des vom Chor vorgetragenen Liedes (CM 111): „…ich bin zu schwach aus eigener Kraft…“ riet der Apostel die weitere Aussage zu beherzigen: „… du aber ziehst mit Kraft an…“ und die volle Kraft aus dem Heiligen Abendmahl wirken zu lassen.
Amtshandlungen
Nach der Feier des Heiligen Abendmahles wurde Diakon Berthold Philippi nach 43 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit in den Ruhestand versetzt. Der Bezirksapostel würdigte das segensreiche, stets loyale und mit Herz und Seele ausgeführte Wirken des Amtsträgers in seiner, ehrlichen, authentischen Art. Er sei immer da gewesen, sei es im Chor, als Dirigent oder Organist und es wurde über ihn berichtet, er habe niemals über einen anderen ein schlechtes Wort gesagt.
Es folgte die Ordination von Lars Brettschneider zum Diakon und von Daniel Hoffmann zum Priester und die Beauftragung von Priester Daniel Kopp als zusätzlicher stellvertretender Bezirksvorsteher.
„Suchet das Beste“
Der Bezirksapostel gab den drei Seelsorgern das Wort aus Jeremia 29,7 für ihre künftige Amtstätigkeit mit auf den Weg und interpretierte die Aussage so: „Suchet das Beste für die Gemeinde und für den Bezirk, dann wird es der Gemeinde und dem Bezirk wohlergehen und euch selbst auch.“
Beispielhaft nannte er zwei Punkte: Den Frieden und die Suche nach Mitstreitern. „Der Frieden geht schnell verloren“, stellte er fest. Deshalb sehnten sich die Menschen gerade heute nach Frieden. „Es mag eure vorrangige Aufgabe sein, in den Gemeinden als Friedensstifter tätig zu werden“, wünschte sich Bezirksapostel Storck.
Zudem empfahl er den drei Seelsorgern, für die nötigen Mitarbeiter in den Gemeinden zu beten, um die Arbeit auf möglichst viele Schultern zu verteilen. Heute falle es schwerer, ja zu einer neuen Aufgabe zu sagen. „Eure Aufgabe ist: Betet dafür, dass die gefunden werden, die den Dienst zum Segen der Gemeinden ausführen.“ Dann werde es den Gemeinden und dem Bezirk wohlergehen – „und euch auch“, so der Bezirksapostel abschließend, bevor er die Ordinationen und die Ernennung vornahm.
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